ich bin wie so oft morgens mit dem 32er richtung büro unterwegs, beschliesse wie so oft schon, diesen bus ab sofort nur noch in notsituationen zu benutzen, lese wie jeden donnerstag die kolumne von bänz friedli im gratisblatt
20minuten und fühle mich auf einmal persönlich angesprochen als ich seine pendlerregel #147 lese:
wer den 32er für zürichs übelste buslinie hält, ist noch nie mit dem 31er gefahren.
am letzten samstag habe ich DAS
zürcher grossereignis links liegen lassen und mir stattdessen noch einmal «lost in translation» angeschaut. nicht ohne bedenken, hatte ich den film doch als so einzigartig in erinnerung, dass das zweite mal eigentlich nur enttäuschend ausfallen konnte. und tatsächlich ist ein teil der magie, die diesen film umgab verschwunden, die einzigartige atmosphäre am see konnte den verlust aber aufwiegen.
auf dem nachhauseweg, dem seeufer entlang, haben wir dann doch noch diverse ausläufer der streetparade gestreift, kleinere gruppen von schwitzenden, halbnackten menschen, wohl seit stunden am tanzen zwischen abfallbergen und umgeben von einem uringeruch der sonderklasse. ich betrachtete diese bild mit einem gemisch aus ekel und faszination, und fühlte mich zwar nicht alt, aber eben doch älter als zu einer zeit, die doch eigentlich noch gar nicht lange her ist.
seit drei tagen fahre ich an
diesem plakat vorbei, und jedes mal ärgere ich mich über das nicht-dabeihaben der digicam. aber zum glück gibt es den
tobistar, und wie man verlinkt weiss ich ja auch.
seit drei tagen überlege ich nämlich, ob mir die sache denn 20 rappen wert ist. nicht weil ich den menschen auf dem plakat ehelichen möchte, mich wundert einfach, wer oder was hinter dieser aktion steckt. am sms senden hindert mich eigentlich nur der verdacht, dass meine natelnummer in einer datenbank landen und danach für werbezwecke missbraucht würde.
die alte frau stand vor mir, lächelte beschämt und fragte, ob ich ihr nicht ein wenig geld hätte, damit sie sich eine warme ovo leisten könne. ich stand in der grossen halle des zürcher hauptbahnhofes, niki de saint phalles engel über mir, und antwortete reflexartig mit nein. weil man an diesem ort regelmässig nach geld gefragt wird, wenn auch nicht von alten damen. ich ging weiter und erledigte meine einkäufe im shopville, begleitet von einem schlechten gewissen. denn was sollte eine alte frau mit ein paar franken denn anderes machen als sich tatsächlich eine warme ovo in einem café zu leisten? fremde menschen auf der strasse nach geld zu bitten braucht überwindung, und ich weiss ja nicht, wie klein ihre rente ist, oder ob ihr alter diese regelmässig versäuft.
auf dem rückweg zur tramstation, wieder die grosse halle durchquerend, sah ich sie erneut und beobachtete aus einigen metern entfernung, wie sie einen geschäftsmann ansprach. dieser schüttelte nur den kopf und hetzte los richtung gleise. ich ging weiter und sagte mir, dass es ganz sicher gutherzige menschen gäbe, denn es war heiss, meine taschen schwer, und ich wollte nach hause. als ich dann aber an der haltestelle stand und mein tram einfuhr, machte ich kehrt, zurück zum bahnhof, in die grosse halle, auf die suche nach der frau, und holte vorsorglich schon einmal 5 franken aus meinem portemonnaie.
ich entdeckte sie vor einem grossen kiosk und sah, wie sie papier in einen abfalleimer warf. papier? abfalleimer? aus einigen metern distanz beobachtete ich, wie sie eine junge frau ansprach und diese ihr ein paar franken gab. die alte frau lief schnurstraks zurück zum kiosk, erschien kurz darauf mit zwei lotterielosen, legte sie auf die tischplatte, die man zum ausfüllen von lotto- und tottoscheinen benützt und rubbelte auf beiden losen hastig ein feld frei. das glück war ihr nicht hold, sie warf die lose wieder in den papierkorb und blickte sich um, bereit, erneut auf jemanden zuzusteuern.
aber nicht mit mir. ich hatte mich eine halbe stunde lang für meine erste reaktion geschämt und musste nun meiner empörung über ihr verhalten luft machen. von einem drogenabhängigen oder einem alkoholiker erwarte ich nicht, dass er sich von dem erbettelten geld wirklich «öpis z'trinke oder z'ässe» besorgen möchte, dass mich eine kleine alte zerbrechliche frau, die mich mit ihrem ostschweizer dialekt ausserdem an meine verstorbene grossmutter erinnerte, so schamlos anlügt, war jedoch zuviel.
ich ging auf die frau zu und sprach sie mit einem satz an, von dem ich bis anhin hoffte, ihn nie in meinem leben auszusprechen: «finden sie eigentlich recht was sie da machen?» weiter kam ich nicht, denn die alte schaute kurz erschrocken zu mir hoch, drehte sich dann aber blitzartig um und verschwand um die ecke. und ich stand da und war mir immer noch nicht ganz im klaren, ob sich das mit dem schlechten gewissen jetzt eigentlich erledigt hatte oder nicht.
brigitte - 30. Jun, 21:47
kamen mir vier personen mit weissen kopfhörern entgegen. so verliert das schicke teil für mich an glanz, irgendwie.
brigitte - 28. Jun, 23:56
nein, der grund für die verspätung der veröffentlichung dieser bilder ist nicht der, dass meine digicam ins wasser gefallen wäre. aber lest doch
hier mehr über diesen wunderschönen nachmittag.

bei diesem wetter nicht in das wasser springen zu dürfen ist grausam, doch auf
lydias gute ideen ist verlass.

wir fuhren los und wichen ihm geschickt aus, während die konkurrenz geschickt uns auswich und die stadt kleiner wurde.

das leben an bord ist schön!

fuss mit blasen und uetliberg.

am anderen seeufer bei der schwanenkolonie angekommen.

via fleischmarkt zurück in den hafen, wo die chips-ente und eine japanische touristeninvasion uns noch lange bestens unterhielten.
brigitte - 17. Jun, 21:38
gestern im tram fiel mir ein werbeplakat auf, von dem ein alter sympathischer mann lächelte. auf dem plakat stand «wer weiss mehr über frauen als ein 91-jähriger?»
im tagesanzeiger las ich dann, dass es sich dabei um eine imagekampagne des stadtrates für das alter handelt (
medienmitteilung der stadt zürich).
«wer weiss mehr über sex als eine 93-jährige?» steht auf einem plakat. selbstbewusst lächelt gertrud berruex von der plakatwand. sie wohnt im städtischen altersheim klus-park und wurde von der heimleitung direkt angefragt, ob ein solches shooting nicht etwas für sie wäre.
«aus gwunder habe ich mitgemacht», erzählt sie. sie hat es nicht bedauert. das fotoshooting fand an einem klaren, kalten maitag am see statt. «es war einer der schönsten tage meines lebens», erzählt die alte frau, die an einem weissen stock geht, weil sie schlecht sieht. «alles drehte sich um mich, als ob ich ein filmstar wäre, zweimal brachten sie kaffee und kuchen, drei heizstrahler standen da, um mir warm zu geben.» der fotograf habe sie manchmal sogar massiert, um sie zu lockern.
und was weiss sie alles über sex? den etwas provokativen spruch habe man erst im nachhinein zum foto gestellt, natürlich mit ihrer einwilligung, erzählt sie. ein bisschen peinlich scheint es ihr schon zu sein. «die jungen wissen sicher mehr darüber», sagt sie schliesslich. «aber verheiratet bin ich gewesen.» allerdings habe sie erst spät geheiratet - dafür den absoluten traummann. und vor der heirat? sie druckst etwas herum, will nicht recht zur sache kommen. und findet den dreh: «mein mann und ich hatten es sehr schön miteinander.»
(tagesanzeiger von gestern)
meiner meinung nach eine sehr gelungene kampagne mit einer wahren botschaft: «sprich mit einem alten menschen. es lohnt sich.»
brigitte - 11. Jun, 22:32
ich bin gespannt, wer und was sich hinter
dieser kampagne verbirgt, obwohl die idee nun ja bei weitem nicht neu ist.
brigitte - 21. Apr, 10:16